Innenarchitektur der Erweiterung der Privatklinik Döbling
Fertigstellung 2007
Projektbeschreibung
Beim Ambiente der Klinik ist ein Wandel auszumachen.
Ursprünglich in sehr klassischen Suejets gehalten
(Schwarz-Weiß mit schweren weißen Polstermöbeln
und "imperialen" bis "barocken" Attributen bei der
Raumausstattung) wurde seit dem Besitzer-/Betreiberwechsel eine
lebensnähere "toskanische" Note mit etwas Farbe und
italienischem Esprit, bei der Grün als Logofarbe
vorherrscht, eingeführt. Der Status quo wird als eine
Mischung empfunden, die generell bei der Klientel positive
Rückmeldung auslöst und sich nach
Selbsteinschätzung positiv von den Mitkonkurrenten abhebt.
Für die Zukunft wird als wesentlich formuliert: Die
Unterscheidbarkeit in der Raumstimmung vom als anonym und
unpersönlich empfundenen Spitalsbetrieb im Allgemeinen und
die deutliche wahrnehmbare Positionierung der PKD im Vergleich zu
ihren Mitkonkurrentinnen im Wiener Raum. Dabei wird die Stellung
als führendes Haus und Trendsetter beansprucht. Generell
läuft das derzeitige Adaptierungsprogramm der Klinik mit
Schwerpunkt auf Qualitätsanhebung für die Patienten. Es
sollen edle Materialien mit Naturbezug und eine aktivierende
Beleuchtung bei wirtschaftlicher Verwendung die Aura der
Räume aus dem Umfeld des Spitals in ein Umfeld mit hoher
Lebensqualität und Lebensfreude transferieren. Die Liebe zum
Detail soll erkennbar und manchmal auch überraschend sein.
Akzente von Seriosität im Gestaltungsimage sollen die
Professionalität der Dienstleistung am Menschen metaphorisch
signalisieren.
Klinikerweiterung und das Ärztezentrum
Eine Baukörpertiefe von 25 Metern erfordert eine
ganztägige weitgehend künstliche Beleuchtung des
Gebäudes. Die wirtschaftliche Nutzung der Mietflächen
bringt innenliegende Erschießungsbereiche, die kaum eine
außenraumbezogene Orientierung zulassen. Hier wird versucht
mit einem durchgängigen Innengestaltungs- und Raumkonzept
die Schwächen der neutralen Standardlösung
auszugleichen und durch gezielte aber gesamtheitlich wirkende
Maßnahmen zu einem als angenehm empfundenen Lebens- und
Aufenthaltsraum zu finden. Folgende Maßnahmenbereiche
werden dabei eingesetzt:
Materialien
Es wird versucht, in der
Ausgestaltung der Erschließungs-, Warte- und Verteilzonen
sowie im Veranstaltungs-, Seminar- und Restaurantbereich eine
Palette von "natürlichen" Materialien und Farbe einzusetzen.
Durch den abgestimmten Mix der Elemente soll eine dezente
aktivierende Spannung der Raumwirkungen erzielt werden, die
monotonen und kalten Eindrücken ntgegenwirken. Es wird mit
einem Mix aus matten absorbierenden und glatten reflektierenden
Oberflächen gearbeitet, angelehnt an die Vielfalt von
Naturräumen. In der Durchplanung wird durch entsprechende
handwerkliche Ausführungsdetails die Gediegenheit der
Raumlösung unterstützt.
Licht
Bei der Beleuchtung wird versucht, über eine neutrale
Funktionsbeleuchtung hinaus durch Figurierung des Lichts
Lichträume zu schaffen, die emotionale Reaktionen
ähnlich wie natürliche Szenarien mit Tageslicht
aktivieren.
Raumsequenz Stiege3 - Brücke -
Restaurant - Seminarbereich
Die Raumsequenz Stiegenhaus 3 (das
zentrale Erschließungsstiegenhaus der Klinik) mit
vorgelagerter Eingangssituation und Rezeption auf der
Bestandsseite, der anschließenden aortenhaften
Brückenverbindung, die in den Restaurations- und
Seminarbereich übergeht, die zusätzlich die
medizinischen Bereiche auf beiden Seiten verknüpft und die
neue Zentralküche mit den Stationen im Altbau verbindet,
wird in Zukunft den imagerelevant wirksamen Teil der Klink
Döbling auch in der Innenwirkung ausmachen.
Restaurant- und Seminarbereich
Hier ist
eine flexible Nutzung der Räume beabsichtigt. Die
Beleuchtung muss den unterschiedlichen Anforderungen bei Tages-
und Nachtbetrieb gerecht werden. Die Beleuchtung wird in
Verbindung mit den Decken- und teilweise auch den Wandmaterialien
mit stark unterschiedlichen Reflexionsgrad von brilliant/
glänzend-feierlich bis anheimelnd/
wärmend-gemütlich entwickelt. Die zentrale Entwurfsidee
ist die Schaffung einer multifunktionellen Raumzone mit einer
weitgehend unbehinderten Funktionsfläche, ähnlich den
Räumen im Japanischen Haus. Erst durch die ausgeprägte
Gestaltung der raumbegrenzenden Bauteile in Verbindung mit den
mobilen und flexibel nutzbaren Einrichtungsgegenständen
erhält der Raum sein unverwechselbares Gepräge.
Pflanzen, sowohl als "Grünvorhang" stationär vor der
raumhohen Restaurantverglasung als auch mobil in Pflanzwannen als
bewegliche Raumteiler einsetzbar, bilden einen wichtigen Natur-
und Wohnbezug.
Die Wandflächen sollen durch eine einheitlich
zurückhaltende Wandvertäfelung, die an der
Längsrückwand des Restaurants durch die Integration
einer indirekten Beleuchtung etwas exklusiver ausgebildet wird
und als bewusster Eyecatcher dient, den gesamten Aktionsbereich
als zusammenhängenden Bereich erkennen lassen.
Erschließungszonen im OG1
Die Erschießungszone im OG1 wird von Arch. Zeininger
als besonders sensibel gesehen, da hier sich in Zukunft ein
großer Anteil der nichtstationären Klientel am Weg in
die Timesharingpraxen das persönliche Bild der Privatklinik
Döbling neu generieren wird. Eine umsichtige Abstimmung
aller klientenbezogenen Faktoren, wie der Empfang, das
Weiterleiten in die Wartezonen, das Warten selbst, einer der
emotional heikelsten Situationen in der medizinischen Betreuung
und schließlich die direkte Kontaktaufnahme mit dem Arzt
oder der Ärztin seines Vertrauens, ist dabei von
großer Wichtigkeit, da die Timesharingpraxen zu einem
wesentlichen wirtschaftlichen Dienstleistungssektor der Klinik
ausgebaut werden.
Als positive Zielformulierung für die
niedrige Deckenhöhe (siehe auch Modulor von LC
>> 2,26 m, als Schnittstelle der roten und blauen Reihe)
wird das Gestaltungsprofil von Kreuzfahrtjachten (Traumschiff)
vorgeschlagen. Mit gediegenen Oberflächen kann das
Volumsmanko ausgeglichen werden.
Durch die geringe Raumhöhe
muss besonders auf eine einwandfreie Klimatisierung dieser
Bereiche geachtet werden. Wesentlich für das
Qualitätsempfinden ist hier die Lautstärke des
Haustechnik-Geräuschpegels, der so niedrig wie möglich gehalten
werden muss.
Um klaustrophobischen Tendenzen entgegen zu wirken,
ist beabsichtigt, Teile der Decken als "Lichtdecke"
auszuführen, die den Raum nach oben öffnen soll. Dabei
ist an mattierte, für Wartungszwecke abnehmbare bzw.
schwenkbare Glasfelder gedacht. Die Mattierung ist im Bereich von
dahinter punktuell montierten Tiefstrahlern ausgesetzt, um auch
einen akzentuierten, ausreichenden Lichtstrom nach unten in den
Raum zu bekommen.
Durch die geringe Raumhöhe sind
Oberlichten ausgeschlossen. Um die schmalen Gänge besonders
in den Wartebereichen optisch aufzuweiten und ihnen die Enge zu
nehmen, wird die Verwendung von in die Wandverkleidung über
Augenhöhe integrierte Spiegelflächen vorgeschlagen. Sie
erzeugen die Illusion des sich öffnenden Raumes und
können in Verbindung mit angrenzenden Lichtdeckenelementen
den Gangbereich erweiternd stimulieren.
Accessoires
Wartezimmer
Berggasse
Es erscheint den Architekten wichtig, die
Vertrauensstellung der Ärzteschaft durch kleine begleitende
und Vertrauen stärkende Maßnahmen zu
unterfüttern. In den Aufenthalts- und Wartebereichen sowie
in den Timesharingpraxen sollen Bilder und Urkunden als
persönliche Accessoires und geschichtliche Artefakte des
Heilens dem Dienstleistungsort eine Aura des persönlichen Wirkens der Ärztin/ des Arztes und deren
Teams verleihen. Als Diskussionsgrundlage wird dazu seitens der
Architekten das Bild der Praxis von Sigmund Freud in der
Berggasse eingebracht, die als Metapher eines Orts des Vertrauens
zwischen Arzt und Patient angesehen wird.
Arbeits- und Behandlungsräume
In den Praxen und
Behandlungsräumen selbst wird das Beleuchtungskonzept auf
die Mischsituation von Tages- und Kunstlicht neben den
funktionellen Grundbedürfnissen (keine Blendung in liegender
Position) eingehen müssen. Im Bereich der Möblierung
wird versucht, abweichend von der Standardlösung, durch
Wandschränke den Stauraum zu erhöhen. Eine Zonierung in
spontan zugängliche Schrankzonen (von +60 bis +200 cm
Höhe) und Bereichen, die mittelfristigen Aufbewahrungsraum
bieten, wurde vorgesehen.
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