Johannes Zeininger

Der parasitäre Aspekt von Stadtmöblierung

Längst ist der Boden, auf dem Städter sich bewegen, kein Boden mehr, den der Gebrauch der Metapher mit ihren Wurzeln im Naturraum suggeriert. Oben und unten, vorne und hinten, links und rechts geben den Bezug des Stadtbewohners zu seiner Umwelt und damit zu den ihn umgebenden Objekten an. Er wohnt, arbeitet und bewegt sich zwischen diesen, deren positioniertes Vorhandensein jedoch großteils aus der alltäglichen visuellen Wahrnehmung ausgeblendet ist. Baustellen im öffentlichen Raum öffnen da die Kulissen und geben unvermittelt einen Einblick, mit welcher Dichte städtische Strukturen unter der hautgleichen visuellen Wahrnehmungsschichte den Organismus Stadt bilden.

Bauen im öffentlichen Raum heißt bauen auf einem Objekt, unter einem Objekt, mit unmittelbar angrenzenden oder vorbeigleitenden Objekten und Menschen, die einem stets in Wandel begriffenem, sozialem Kodex folgen. Parasitäre Strategien können hier viel leisten. Genaue Kenntnis der Verhaltensweise des "Wirts" und eine wache Flexibilität auf das sich ändernde Umfeld (das ebenfalls längst kein Feld, sondern eine Zone bzw. ein Bereich ist) sind parasitäre Tugenden, die zum Funktionieren von Stadtmöblierungen notwendig sind. Werden oft nur geringfügige Dissonanzen ignoriert, bzw. kann durch die eigene starre Struktur nicht mitreagiert werden, ist die sinnhafte Existenz eines solchen Objekts sofort in Frage gestellt und der allgemeine urbane Erneuerungsdruck fährt über dieses hinweg.

Eine erste praktische Arbeit mit einem kleinen Kiosk ist mit diesem Szenazio in extremer Weise konfrontiert. Situiert inmitten des Bewegungsflusses des Umsteigeknotens der U3/Station Schlachthausgasse, zwischen Straßenbahnen und Buslinien auf dem mächtigen U-Bahnbauwerk angedockt, von Versorgungsstrukturen allseitig umgeben, wurde mit dem Kiosk ein weiterer Stadtpartikel hinzugefügt, der durch seine Ausrüstung hier bestehen soll.

Es mußte für den Container genau jene Position am "Wirt" gefunden werden, der die Versorgung des "Parasiten" leisten kann und sich als Standort tolerierbar erwies. Die Ausrüstung des Kiosk erlaubt ihm durch Veränderung von Umriss, Farbe, Helligkeit, durch elementhafte Ergänzungen und variable Organisationsformen sich flexibel auf den Lebensraum Stadt einzustellen, um nicht von diesem abgeschüttelt zu werden.

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